Flo Mega & The Ruffcats

Flo Mega & The Ruffcats

Wenn Mr. Flo Mega die Bühnen betritt, beginnen die Finger rhythmisch zu schnippen. Denn wo Flo Mega ist, da ist der Soul, da ist der Funk und auch die guten Rhymes. Wer sich derzeit umschaut in der deutschen Musiklandschaft, speziell handgemachten, deutschsprachigen Pop, der kommt um Flo Mega nicht herum. Das war nicht immer so. Wie dem mega-mäßigen Künstlernamen unschwer zu entnehmen ist, entstammt Florian Bosum aka Flo Mega der deutschen HipHop-Szene. Und wie so viele, die in den frühen 1990er Jahren von US-Rappern wie Ice-T und deutschen Größen wie den Fantastischen Vier beschallt wurden, rappte auch er sich jahrelang durch Jamsessions – zunächst in seiner Heimatstadt Bremen. Doch trotz gemeinsamer Projekte mit Lokalkollegen wie FlowinImmo sollte sich nie der richtige Flow einstellen. Und ohne den ist HipHop bekanntlich nur leere Show. Aber Flo Mega warf nicht die Flinte ins Korn, sondern besann sich auf seine Wurzeln (und die des HipHop): den Soul und P-Funk der 1960er und 1970er Jahre. Und siehe da: Plötzlich stellte er sich ein, der Zauber.

Das Ergebnis kann man seit einigen Jahren auf unzähligen deutschen Bühnen bewundern: Gemeinsam mit der Berliner Funktruppe The Ruffcats bringt Flo Mega fettesten Soulsound auf die Bühne, mit reichlich Sentiment, flottem Bläsersatz und gefühligen Texten. Doch sind die Songs mitnichten schlichte, gut gemachte Soulnachbauten. Es ist im Gegenteil ein recht groß angelegter Versuch, das deutsche Liedgut in die Zukunft zu holen, heraus aus der Schlagerecke, hinein ins pralle, bittersüße Leben. Schon Alexandra oder Udo Jürgens bedienten sich erfolgreich im Soul- und Latin-Sektor, auch Herbert Grönemeyer und Klaus Lage lassen bestens grüßen. Die Ruffcats zapfen hierfür gekonnt die große amerikanische Soul- und Funktradition an, Flo Mega legt seine teilweise noch aus Rapperzeiten stammenden Textzeilen darüber. Darunter sind einige, die durchaus als tieftraurige Lyrik gelten dürfen. Mega verarbeitet hier ganz offen die jahrelangen Durststrecken, die so ein Künstlerleben mit sich bringt. Doch das ist eben Lyrik, das ist Soul. Für Flo Mega ist diese Art der Selbstfindung augenscheinlich überlebenswichtig, nicht umsonst benannte er sein zweites Album hanseatisch-eindeutig „Mann über Bord“. Es erschien drei Jahre, nachdem er durchaus überraschend den zweiten Platz bei Stefan Raabs Bundesvision Song Contest errungen hatte und laut eigener Aussage im Anschluss in ein tiefes Loch fiel. Alle wollten neue Songs, alle wollten Shows, Konzerte, Interviews. Burn-out nennt man das – und so heißt auch eine der Singles dieses Albums. Doch hinter dem Burn-out wartet der Neuanfang und Flo Mega hat sich mit Hilfe seiner Songs eindrucksvoll selbst gerettet. Wenn sein Soul eines kann, dann heilen. Mit bester nordischer Ironie und einem Drive, den man im deutschen Musikzirkus leider nur ganz selten hört.

Foto: Robert Winter

Besetzung

Deutschland Deutschland

Theatervorplatz, Jena

Einlass: ab 19:00 Uhr

VVK voll AK voll
5.00 € 5.00 €

Jokerkarten gelten

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